Rumpforthesen Skoliose

 

Rumpforthesen

Sogenannte Rumpforthesen werden eingesetzt bei degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule (z.B. Verschleiß, Osteoporose), Krebserkrankungen und Skoliose (seitliche Verbiegung der Wirbelsäule). Sie sollen je nach Indikation :

  • fehlende oder beeinträchtigte Funktionen des Bewegungsapparates ersetzen,
  • den Bewegungsapparat stabilisieren,
  • Fehlstellungen korrigieren und
  • die Wirbelsäule schützen.

Unterschieden werden aktive und teilaktive sowie passive Rumpforthesen mit dynamischem Muskeleinsatz. Flexible Mieder und elastische Leibbinden werden teilweise auch als Bandagen bezeichnet, die 3-Punkt-Orthese und die Thorakolumbalorthese werden den Korsetten zugeordnet.
 

 

 

Individuelle Anfertigung

Moderne Orthesen bietet die orthopädische Zulieferindustrie als Fertig- oder Halbfertigprodukte an oder als Bausätze mit vorgefertigten Teilen. In vielen Fällen müssen sie jedoch individuell passgerecht vom Orthopädiemechaniker angefertigt werden, nach einem Gipsabdruck in optimaler Korrekturstellung.

Früher wurden als Materialien meist Stoffe, Leder und Stahl verwendet, heute haben sich vielfach Kunststoffe und Gießharze durchgesetzt, die sich leichter verarbeiten lassen und weitere Vorteile bieten:

  • Gute Formbarkeit
  • Hohe Stabilität bei geringem Gewicht
  • Hervorragende Hygiene-Eigenschaften
  • Umänderungen ohne großen Aufwand


 

 

 

 

Elastische Leibbinden (sogenannte aktive Orthesen) bestehen aus Drellstoffen, die Leib und Becken zirkulär umfassen. Sie steigern die Aktivität der lumbalen Rückenstreckmuskulatur ohne die Beweglichkeit wesentlich zu beeinträchtigen. Sie finden hauptsächlich Verwendung bei leichteren Osteoporosen mit insuffizienter Abdominalmuskulatur ohne Wirbelkörperfrakturen.

 

 

 

Flexible Mieder (sogenannte teilaktive Orthesen) sind Becken und Rumpf umfassende Orthesen aus flexiblen Materialien, partiell verstärkt durch eine Rahmenkonstruktion, Stäbe oder Pelotten. Durch ihren Aufbau wirken sie teilfixierend in einer oder mehreren Ebenen. Sie steigern die Aktivität der Rückenmuskulatur, die eingearbeitete Bauchpelotte dient der Erhöhung des intraabdominellen Drucks. Mieder bewirken eine Teilfixierung, eine Teilentlastung sowie eine Aufrichtung der Lendenwirbelsäule ohne das Drehvermögen nennenswert einzuschränken. Verordnet werden sie vor allem bei beginnender Osteoporose ohne wesentliche strukturelle Störungen.

 

 

 

 

Korsette (sog. teilaktive Orthesen) können teilfixierend, fixierend oder korrigierend in der Frontal-, Sagittal- und/oder Horizontalebene wirken; sie fixieren die Lenden- und Brustwirbelsäule an das Becken. Das sogenannte Rahmenstützkorsett besteht aus beckenumfassenden Hüftbügeln, die über senkrechte Schienen mit Brustspangen verbunden sind, um die Brustwirbelsäule aufzurichten. Korsette sollten nur bei erheblichen osteoporotischen strukturellen Destruktionen der unteren BWS und der LWS zur Anwendung kommen.


 

 

 

 

Drei-Punkt-Orthesen (Flexionsorthese und Hyperextensionsorthese; sog. passive Orthesen) sind passiv-mechanische Apparate, die der statisch mechanischen Sicherung dienen und die Wirbelsäule nach dem Drei-Punkt-Prinzip in der Sagittalebene aufrichten.

Die lumbale Wirbelsäule wird entlastet, die Anteklinationsbewegung wird limitiert. Druckkräfte wirken am Ort der Deformität, beispielsweise am Krümmungsscheitel der Wirbelsäulenverbiegung sowie auf der Gegenseite ober- und unterhalb. Durch die Hebelwirkung ist die entstehende Korrekturkraft bei geringem Kraftaufwand vergleichsweise groß, wenn ein langer Hebelarm eingesetzt wird. Die Verordnung dieser Orthese erfolgt in erster Linie bei tiefsitzenden Kyphosen mit LWK-Kompressionsfrakturen. Um eine sekundäre Muskelatrophie zu verhindern, sollte sie nicht auf Dauer getragen werden.

 
 

Thorakolumbalorthesen dienen der weitgehenden Rumpfimmobilisation. Sie bestehen aus einer stabilen Rahmenkonstruktion mit Rückenspangen und Reklinationspelotten mit oberer und unterer Abstützung. Ihr Einsatz ist den schweren destruierenden Prozessen mit hochgradigem Schmerzbild vorbehalten. Zur Verhinderung einer erheblichen Rückenmuskelatrophie als Folge der Immobilisation sollten sie in erster Linie während der hochschmerzhaften Akutphase getragen werden.



Welche Orthese ist richtig?

Bei der Verordnung einer Rumpforthese gilt der Grundsatz der Minimalversorgung: So dynamisch wie möglich, so fixierend wie nötig.
Behandelt werden akute oder chronische Schmerzbilder; die Wirbelsäule soll stabilisiert bzw. in ihrer Stellung korrigiert werden, weitere Frakturen sollen verhindert werden. Die Wirbelsäule muss hier vor Belastungen geschützt werden, gleichzeitig soll die Mobilität der Patienten so gut wie nur möglich erhalten werden.

Für die Akzeptanz einer Orthese ist vor allem der Tragekomfort entscheidend. Sie sollte leicht zu handhaben sein, Druckstellen dürfen nicht auftreten. Auch darf die Atmung nicht zusätzlich behindert werden, die ja schon durch die kyphotische Fehlhaltung der BWS sowie die fehlende Bauchpresse beeinträchtigt ist. Das Material ist so zu wählen, dass der Patient nicht zu sehr ins Schwitzen kommt.


Bildquellen: Otto Bock Orthopädische Industrie GmbH & Co.KG,

 
 

 

Cranial-Orthesen , Therapiehelme

(Können leider zur Zeit aus personellen Gründen nicht hergestellt werden)

Bei Neugeborenen besteht häufig eine leichte Asymmetrie des Kopfes, die normalerweise kurz nach der Geburt verschwindet.

Wenn dies nicht geschieht liegt möglicherweise eine lagebedingte Plagiocephalie vor. Hiermit wird in aller Regel eine Abflachung auf einer Hinterhauptseite gemeint. Mit der Bezeichnung lagebedingter Brachycephalus wird eine Abflachung des ganzen Hinterkopfes gemeint. Beide Deformitäten treten häufig gemeinsam auf.

 

Die Verformung tritt im frühen Säuglingsalter auf. Wenn sie zu spät erkannt wird ist sie möglicherweise nicht mehr zu regulieren. Durch Umlagerung des Kopfes kann eine solche Deformität häufig beseitigt werden. Bringt dies nicht den gewünschten Erfolg kann ein sogenannter Therapiehelm/ Kopforthese eingesetzt werden. Der Kopf wächst dabei in die Hohlräume des Helmes und erhält dadurch wieder die Symmetrie.

 

Der Helm behindert nicht das Wachstum des Kopfes sondern lenkt es.

Die Behandlungsdauer mit einem solchen Therapiehelm ist abhängig von der Stärke der Asymmetrie und dem Alter des Babys. Sie liegt zwischen 3-5 Monaten. Das ideale Alter, um mit einer solchen Behandlung zu beginnen liegt zwischen dem 4. und 7. Lebensmonat. Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser sind die Ergebnisse.

 

 

Mittels eines 3D Scanner sind wir in der Lage sehr genau berührungslos den Kopf zu vermessen. Eingescannte Köpfe dienen auch zur genauen Vermessung und zur Dokumentation. Ein Gipsabdruck erübrigt sich zur Maßnahme.

 

 

Am Bildschirm wird die Asymmetrie vermessen und in eine symmetrische Form überführt. Diese wird auf einer CNC-Fräse ausgegeben, damit darüber der Helm gefertigt werden kann.

 

 

 

Schema eines occipitalen lagebedingten Plagiocephalus.

Die Linien verdeutlichen die in drei Ebenen

stattfindende Deformierung: (1) occipitale Abflachung

rechts, (2) frontale Abflachung links, (3) Verschiebung der

Ohrachse.


Schema der Helmbehandlung. Die Pfeile zeigen

die Richtung der Remodellierung an; der Helm übt keine

korrigierenden Kräfte auf die Kalotte aus.