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Mit diesen Voraussetzungen wird
die Leistungsfähigkeit und damit die Akzeptanz der Prothese
ganz wesentlich erhöht. Die entscheidende Grundlage ist ein
Humerus,
dessen flache Palette am distalen
Ende mindestens teilweise erhalten werden konnte. Die zweitbeste
Lösung ist die Herstellung eines Hakens beim langen Stumpf
durch eine Winkelosteotomie am Humerus.
Nur an solchen Stümpfen kann ein Schaft ohne Einschränkung
der Schulterbeweglichkeit und ohne zusätzliche Bandagen sowohl
in axialer Richtung als auch drehstabil sicher befestigt werden.
Ist die Amputation durch den Schaft des Humerus
erfolgt, verhilft zwar die Silikon-Hafttechnik zur zuverlässigen
Verankerung einer leichten passiven Prothese,
doch für eine aktive Prothese
fehlt die notwendige Drehstabilität. Diese Drehstabilität
lässt sich nur verwirklichen, indem der Schaft das Schultergelenk
vorne und hinten mit Pelotten umklammert oder sogar vollständig
umgreift. Letztere Lösung ist bei kurzen Stümpfen nicht
zu vermeiden. Die Sicherheit der Aufhängung hat den Vorrang.
Ein schulterübergreifender Schaft blockiert die Drehbewegungen.
Als Ausgleich muss daher die Prothese
über die Möglichkeit der sogenannten Sichelbewegung verfügen.
So wie sich Drehbewegungen des Unterarms technisch am besten am
Handgelenk nachvollziehen lassen, hat es sich als zweckmäßig
erwiesen, die Rotationsbewegungen des Schultergelenks in der Transversalebene
auf das Übergangsstück zwischen Oberarmschaft und Ellbogen
zu verlagern. Dafür stehen Ellbogenpassteile mit drehbarem
Eingussring (turntable) zwischen Ellbogen und Oberarmteil zur Verfügung.
Diese Sichelbewegung erfolgt immer passiv, also mit der Hand der
Gegenseite oder durch Anpressen an einen Widerstand.
Die Weichteile des Stumpfes müssen im Schaft die gleiche Lage
einnehmen, wie sie dies ohne Prothese
gewohnt sind. Außer beim Ellbogenstumpf und nach Winkelosteotomie
ist daher der Stumpf in der Regel mit Hilfe eines Strumpfes in den
Schaft einzuziehen, bei allen damit verbundenen Nachteilen, wenn
nicht der Silikonschaft bevorzugt wird. Die Weichteile des Stumpfendes,
die zur chronischen
Ödembildung neigen, bleiben aber auf der ganzen Fläche
mit dem Schaft in Kontakt. Bei schulterübergreifenden Schäften
lässt sich auf das Stumpfende eine leichte Kompression ausüben.
Sicherer Halt und Komfort dürfen dadurch aber nicht vermindert
werden.
Mit besonderer Sorgfalt ist der Schaft im Bereich der Achselhöhle
zu gestalten. Auf der dem Thorax zugewandten Seite sollte er flach
sein. Aus Gründen der Stabilität soll der Schaft vor allem
bei kurzen Stümpfen möglichst weit an das Schultergelenk
heran reichen, darf dabei aber keinen Druck auf die dort durchlaufenden
oder endenden Nerven ausüben.
Der Schaft ist an gewissen Stellen hart, an anderen eher weich
zu gießen. Ein gleichförmig bretthart gegossener Schaft
wird seinen Aufgaben nicht gerecht. Härte ist notwendig beim
Übergang vom Schaft zum Ellbogen und dort, wo Zugkabel und
Bandagen zu verankern sind. Eine gewisse Festigkeit ist auch für
die Formstabilität erforderlich. Am Schaftrand dagegen, vor
allem bei schlecht gepolstertem Relief der Schulter, muss der Schaft
zwar auch formstabil sein, soll aber fließend und schmiegsam
in die Konturen des Brustkorbes übergehen. Bei Erstversorgungen
muskelkräftiger Patienten ist dieses Relief kaum sichtbar,
aber sehr wohl abzutasten. Mit zunehmender Muskelatrophie nach der
Amputation treten Schlüsselbein und Schulterblatt deutlicher
hervor. Ebenfalls sind bei der Auslegung des Schaftes die Muskel-Sehnenstränge
der vorderen und hinteren Achselfalte zu berücksichtigen.
Als sehr günstig haben sich in den letzten Jahren Saugschäfte
erwiesen, wie sie auch in der Oberschenkelprothetik bekannt sind.
Wir kombinieren diese mit flexiblen Innenschäften, die für
einen weichen Übergang im Schulterbereich sorgen.
Eine sorgfältig hergestellte und optimal angepasste Prothese
schafft Möglichkeiten, die viele Patienten vorher nicht für
denkbar gehalten hätten.
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