Hand

Unterarm

Oberarm
Schulter

Gelenke und Passteile

Der Oberarm

Der Verlust des Ellbogengelenks stellt für die Rehabilitation und Prothesenversorgung eine besondere Herausforderung dar: Hier sind zwei Gelenke mit sehr unterschiedlichen Funktionen zu ersetzen. Und dabei steht einem kürzeren Stumpf eine längere und schwerere Prothese gegenüber.
Das Problem: Mit jedem Zentimeter Kürzung verschlechtern sich die Hebelverhältnisse und die Akzeptanz. Dieser Tatsache vermögen moderne Schafttechniken wie der Silikonhaftschaft entgegen zu wirken, nach unserer Erfahrung weit mehr als komplizierte Fremdkraftsysteme. Deren begrenzte Einsatzmöglichkeiten, das zusätzliche Gewicht und die hohen Kosten fressen die Vorteile praktisch auf.

Wenn es doch nicht unproblematisch ist, so gibt es doch eine ganze Anzahl Amputierter, die ihre Oberarmprothese nicht mehr missen möchten. Darunter fallen sowohl passive als auch aktive Prothesen sowie alle Kombinationsmöglichkeiten.

Daher heißt es für die Betroffenen: Probieren geht über studieren!

 

 

Folgende Prothesentypen stehen zur Verfügung:

 
 

1. Passive Prothesen

  • Modularbauweise
  • Schalenbauweise

2. Eigenkraftprothesen

  • Zugbetätigt
  • Hand und Ellbogen aktiv
  • Hand aktiv, Ellbogen passiv (Hybrid)
  • Kineplastik M. biceps und M. pektoralis
 
 

3. Fremdkraftprothesen

  • Hand und Ellbogen elektrisch
  • Hand Zugkraft, Ellbogen elektrisch (Hybrid)
  • Hybridprothesen
  • Hand elektrisch, Ellbogen Zugkraft (Hybrid).

 

 
   

Der Schaft

Die Herstellung des Schaftes erfordert höchste Sorgfalt, um einen komfortablen Sitz und optimalen Nutzen zu gewährleisten. Denn schon die geringste Pseudoarthrose zwischen Stumpf und Schaft macht sich an der Prothesenhand bemerkbar, um ein Vielfaches verstärkt über den Hebelarm. Je kürzer der Stumpf, desto wichtiger ist deshalb ein enger Kraftschluss zwischen Stumpf und Schaft, damit ein präzises Führen und Bewegen der Hand überhaupt ermöglicht wird. Dafür ist ein voller Kontakt auf der ganzen Fläche zwischen Stumpf und Schaft erforderlich. Beim mittellangen oder noch kürzeren Oberarmstumpf reicht aber auch das nicht aus, im Gegensatz zu Amputationen im Ellbogenbereich oder zum langen Stumpf, dessen knöchernes Ende durch eine Osteotomie abgewinkelt wurde.

Der ideale Oberarmstumpf bietet dem Schaft:

  • Sichere Aufhängung
  • Rotationsstabilität
  • Freie Schulterbeweglichkeit.
 


 

Mit diesen Voraussetzungen wird die Leistungsfähigkeit und damit die Akzeptanz der Prothese ganz wesentlich erhöht. Die entscheidende Grundlage ist ein Humerus, dessen flache Palette am distalen Ende mindestens teilweise erhalten werden konnte. Die zweitbeste Lösung ist die Herstellung eines Hakens beim langen Stumpf durch eine Winkelosteotomie am Humerus. Nur an solchen Stümpfen kann ein Schaft ohne Einschränkung der Schulterbeweglichkeit und ohne zusätzliche Bandagen sowohl in axialer Richtung als auch drehstabil sicher befestigt werden.

Ist die Amputation durch den Schaft des Humerus erfolgt, verhilft zwar die Silikon-Hafttechnik zur zuverlässigen Verankerung einer leichten passiven Prothese, doch für eine aktive Prothese fehlt die notwendige Drehstabilität. Diese Drehstabilität lässt sich nur verwirklichen, indem der Schaft das Schultergelenk vorne und hinten mit Pelotten umklammert oder sogar vollständig umgreift. Letztere Lösung ist bei kurzen Stümpfen nicht zu vermeiden. Die Sicherheit der Aufhängung hat den Vorrang.

Ein schulterübergreifender Schaft blockiert die Drehbewegungen. Als Ausgleich muss daher die Prothese über die Möglichkeit der sogenannten Sichelbewegung verfügen.

So wie sich Drehbewegungen des Unterarms technisch am besten am Handgelenk nachvollziehen lassen, hat es sich als zweckmäßig erwiesen, die Rotationsbewegungen des Schultergelenks in der Transversalebene auf das Übergangsstück zwischen Oberarmschaft und Ellbogen zu verlagern. Dafür stehen Ellbogenpassteile mit drehbarem Eingussring (turntable) zwischen Ellbogen und Oberarmteil zur Verfügung. Diese Sichelbewegung erfolgt immer passiv, also mit der Hand der Gegenseite oder durch Anpressen an einen Widerstand.

Die Weichteile des Stumpfes müssen im Schaft die gleiche Lage einnehmen, wie sie dies ohne Prothese gewohnt sind. Außer beim Ellbogenstumpf und nach Winkelosteotomie ist daher der Stumpf in der Regel mit Hilfe eines Strumpfes in den Schaft einzuziehen, bei allen damit verbundenen Nachteilen, wenn nicht der Silikonschaft bevorzugt wird. Die Weichteile des Stumpfendes, die zur chronischen Ödembildung neigen, bleiben aber auf der ganzen Fläche mit dem Schaft in Kontakt. Bei schulterübergreifenden Schäften lässt sich auf das Stumpfende eine leichte Kompression ausüben. Sicherer Halt und Komfort dürfen dadurch aber nicht vermindert werden.

Mit besonderer Sorgfalt ist der Schaft im Bereich der Achselhöhle zu gestalten. Auf der dem Thorax zugewandten Seite sollte er flach sein. Aus Gründen der Stabilität soll der Schaft vor allem bei kurzen Stümpfen möglichst weit an das Schultergelenk heran reichen, darf dabei aber keinen Druck auf die dort durchlaufenden oder endenden Nerven ausüben.

Der Schaft ist an gewissen Stellen hart, an anderen eher weich zu gießen. Ein gleichförmig bretthart gegossener Schaft wird seinen Aufgaben nicht gerecht. Härte ist notwendig beim Übergang vom Schaft zum Ellbogen und dort, wo Zugkabel und Bandagen zu verankern sind. Eine gewisse Festigkeit ist auch für die Formstabilität erforderlich. Am Schaftrand dagegen, vor allem bei schlecht gepolstertem Relief der Schulter, muss der Schaft zwar auch formstabil sein, soll aber fließend und schmiegsam in die Konturen des Brustkorbes übergehen. Bei Erstversorgungen muskelkräftiger Patienten ist dieses Relief kaum sichtbar, aber sehr wohl abzutasten. Mit zunehmender Muskelatrophie nach der Amputation treten Schlüsselbein und Schulterblatt deutlicher hervor. Ebenfalls sind bei der Auslegung des Schaftes die Muskel-Sehnenstränge der vorderen und hinteren Achselfalte zu berücksichtigen.

Als sehr günstig haben sich in den letzten Jahren Saugschäfte erwiesen, wie sie auch in der Oberschenkelprothetik bekannt sind. Wir kombinieren diese mit flexiblen Innenschäften, die für einen weichen Übergang im Schulterbereich sorgen.

Eine sorgfältig hergestellte und optimal angepasste Prothese schafft Möglichkeiten, die viele Patienten vorher nicht für denkbar gehalten hätten.

 
 

Untenstehend sehen Sie einen jungen Oberarmamputierten, der mit seiner Prothese ein schweres Motorrad fährt.


Eine interessante Seite über Trikes finden Sie bei http://www.mikes-trikes.de
Informationen für Umbauten an Motorädern für Amputierte erhalten Sie unter http://www.koeltgen.de