Für die prothetische Versorgung eines frisch amputierten Unterschenkels
sollte der Stumpf komprimiert werden, mit Hilfe eines Kompressionsstrumpfs
oder einer Wicklung. Auch AVK Patienten sind davon nicht ausgenommen.
Ist die Durchblutung so schlecht,
dass eine Kompressionsbehandlung nicht durchgeführt werden
kann, so ist auch keine prothetische Versorgung möglich.
Ganz neu ist die postoperative Kompressionsbehandlung mit
Silikonlinern. Ziel ist es am 3.-5. postoperativen Tag mit dem
Aufrollen von Silikonlinern zu beginnen um die Bildung eines Ödems
von Anfang an zu verhindern. Muss man sich in der postoperativen
Phase nicht mit der Reduktion des Ödems beschäftigen, kann die
Rehabilitation mit einer Prothese erheblich früher einsetzen. Wir
sind dabei ein entsprechendes Qualitätsmanagement einzuführen,
damit diese Technik kontrolliert angewendet werden kann.
Unterschenkelkurzprothese
mit Weichwandschaft und Kondylenbettung
Die gängigste Art einen Unterschenkelstumpf zu versorgen ist
die kondylenbettende Unterschenkelprothese. Abgebildet ist eine
solche Prothese
im Rohbau, wie sie auch vorübergehend als Interimsprothese
verwendet wird. Sie besteht aus einem Karbonschaft und einem weichen,
polsternden Innenschaft. In der Prothese
werden Stumpfstrümpfe getragen. Die Prothese
hängt sich suprakondylär an den Femurkondylen auf und
kann nicht abrutschen, sofern die Fassung eng genug gearbeitet ist.
Höchste Sorgfalt muss der anfertigende Orthopädie-Techniker
der gleichmäßigen Einbettung des Stumpfes widmen.
Auch das Stumpfende sollte Kontakt im Prothesenschaft haben. Löcher
am Schaftboden um den Stumpf dadurch einzuziehen, sind keinesfalls
eine geeignete Lösung. Bei sehr weichem Stumpfende kann ein
geteilter Innenschaft dafür Sorge tragen, dass die Weichteile
des Stumpfes an der richtigen Stelle zum Liegen kommen.
Besonderes Augenmerk legen wir bei der Anfertigung auf maximale
Gewichtsreduktion sowie auf die Kosmetik. Gerade für ältere
Amputierte ist es von ganz entscheidender Bedeutung, dass ihre Prothese
leicht ist. Je nach Größe kann ein Gewicht von 650 bis
1100 Gramm realisiert werden. Diese Leichtgewichte sind nur möglich,
weil wir unsere Prothesen
ausschließlich aus Karbon herstellen.
Die fertig gearbeitete Prothese
wird zum Schluss mit einer Kosmetik versehen, die den Übergang
vom Fuß zum Prothesenschaft nicht mehr erkennen lässt.
In einem speziellen Spritzverfahren ist es möglich die Farbe
der Prothese
dem erhaltenen Bein weitgehend anzugleichen.
Spezielle Strümpfe mit einer inneren
Gelbeschichtung (Derma Seal) sollten bei empfindlichen Stümpfen
in dem Prothesenschaft getragen werden. Diese Strümpfe pflegen
die Haut und schützen sie vor Scheuerstellen.
Bei sehr knöchernen Stümpfen
verwenden wir in der Prothese
sogenannte Easy-Liner. Diese Liner aus Polyurethan sind relativ
neu auf dem Markt. Sie besitzen ausgezeichnete Polstereigenschaften.
Über die sehr geschmeidige, 6 mm starke Wandung verteilt sich
der Druck gleichmäßig im Prothesenschaft.
Unterschenkelkurzprothese
mit Silikon-Liner bzw. Alpha-Liner
Mit zunehmender Tendenz setzen wir in der Orthopädie-Technik
das Material Silikon ein. Silikon ist ein Naturwerkstoff mit hervorragender
Haftreibung. Der Silikoninnenschaft wird direkt auf den Stumpf gerollt
und stellt so eine sehr gute Verbindung her. Es gibt kein Pumpen
im Schaft und damit auch keine Scheuerstellen. Diese Eigenschaften
sind besonders für Diabetiker wichtig. Am Ende des Silikon-Liners
ist ein Metallstift für die Verriegelung mit dem äußeren
Karbonschaft angebracht. Zum Lösen der Verriegelung dient ein
Knopf am äußeren Schaft.
Da das Silikon für die Haftung der Prothese
sorgt, muss das Kniegelenk nicht mehr suprakondylär gefasst
werden. Der Prothesenschaft muss daher lediglich das halbe Knie
umschließen. Damit wird die Beweglichkeit im Kniegelenk wesentlich
verbessert.
Neben den herkömmlichen Silikon-Linern gibt es weich
eingestellte Komfort-Silikon-Liner und Gel-Liner (Alpha-Liner)
auf Urethan-Basis. Diese kommen zum Einsatz, wenn eine noch stärkere
Polsterung erforderlich oder eine Silikon-Allergie
vorhanden ist.
Achtung! In Verbindung mit Silikonschäften ist eine
peinliche Hygiene einzuhalten. Die Liner müssen täglich
gewaschen und einmal wöchentlich desinfiziert werden! Entsprechende
Pflegemittel für Liner und Stumpf erhalten Sie bei uns.
Seal-In,
eine völlig neue Optionen auf dem Gebiet der Linerversorgung!
Endlich:
Der erste Vakkuumschaftsystem-Liner, der keine Kniekappe benötigt
Die
Firma Össur, bekannt für innovative, anwendernahe Prothetiklösungen,
ist ein weiterer Durchbruch auf dem Gebiet der Linertechnologie
gelungen.
Der
Seal-In Liner basiert auf einem neuen System, der sowohl den Pin als
auch die Kniekappe überflüssig macht. Die integrierte
Dichtungsmembrane aus Silikon (Hypobaric Sealing Membrane; HSM) passt sich optimal an die innere Schaftwand
an und bildet einen luftdichten Abschluss. Beim Anziehen entweicht Luft durch das im Schaftboden eingebaute
Ventilsystem und schafft so einen Unterdruck (hypobaren Druck), der
die Prothese fest am Stumpf hält. Beim Ausziehen braucht der
Anwender für den erforderlichen Druckausgleich nur den Ventilknopf
zu drücken. Darüber hinaus enthält der Iceross® Seal-In Liner
eine distale Matrix bis oberhalb des Dichtungsrings, die ungewolltes
Pumpen im Schaft verhindert und das Anziehen der Prothese
erleichtert. Durch die spezielle HSM Technologie ist der
Unterdruck immer nur genauso groß, wie für die Haftung notwendig
ist. Sie gewährleistet höchste Stabilität, optimale Kontrolle und
außergewöhnlichen Komfort. Der Anwender erfährt sicheren Halt, höchsten
Tragekomfort, maximale Kniefreiheit im Prothesenschaft und hat
weniger Aufwand.
Unterschenkelkurzprothese
mit TEC-Liner und Vakuumhülse bei besonders empfindlichen Stümpfen
Das TEC Interface System ist eine neuartige Einbettung von Unterschenkelstümpfen.
Die TEC-Vakuumhülse wird über den Übergang vom Prothesenschaft
zum Oberschenkel gezogen. Dadurch saugt sich die Prothese
am Stumpf fest.
Der Liner aus Urethan mit seinen hydrostatischen und viscoelastischen
Eigenschaften bettet den Stumpf noch besser ein als andere Haftsysteme.
Die Dicke und die Fließfähigkeit des Urethan schützen
und absorbieren Druck von außen. Mit seinen Polstereigenschaften
eignet sich der TEC sehr gut für besonders empfindliche Stümpfe.
Borggreve
Umkehrplastik
Ein Sonderfall bei der Unterschenkelprothetik ist die Borggreve
Umkehrplastik. Sie wird zuweilen nach Osteosarkom
im Kniegelenk durchgeführt. Nachdem das angegriffene Kniegelenk
resiziert wurde, wird anschließend der funktionstüchtige
Unterschenkel mit Fuß am Oberschenkel um 180° verdreht
wieder fixiert (Bild mit Prothese).
Das Sprunggelenk wird dabei auf die Höhe des vorhandenen Kniegelenkes
gesetzt, so dass es die Funktion eines neuen Kniegelenkes erfüllen
kann. Der Fuß übernimmt die Aufgabe des Unterschenkelstumpfes.
Da das Sprunggelenk nicht so viel seitliche Stabilität hat,
muss es mit einer Oberschenkelmanschette geführt werden. Auf
dieser wird dann die kosmetische Verkleidung angebracht. Diese Operationsart
ist selten, weil nur wenige Ärzte sie anwenden können.
Den Betroffenen bleibt bei dieser Technik eine hohe Oberschenkelamputation
erspart. Die abgebildete junge Frau steht mit ihrer Prothese
voll im Leben, studiert inzwischen und spielt in ihrer Freizeit
Squash.
In den vergangenen Jahren haben wir auch viele Kinder mit Prothesen
versorgt. Da es bei
Kindern oftmals nicht um traumatisch bedingte Amputationen, sondern
um angeborene
Missbildungen geht, beschäftigen wir uns immer wieder mit der
Frage, zu welchem
Zeitpunkt mit der Versorgung begonnen werden sollte. Wir denken,
dass das Kind eine
möglichst normale Entwicklung mitmachen sollte und stehen auf
dem Standpunkt, dass der
Zeitpunkt des Versuches der Vertikalisierung die für das Kind
günstigste Gelegenheit
bietet, den Gebrauch einer Prothese aufzunehmen. Das Problem in
diesem Alter ist
allerdings, dass vorwiegend noch gekrabbelt wird und die Gefahr,
die Prothese beim
Krabbeln zu verlieren, immer gegeben ist.
Skiprothesen
Bei unseren Skifahrten fiel uns auf, dass Träger von
Prothesen
immer sehr weit hinten auf dem Ski standen. Eine normale Vorlage
ließ die Prothese
nicht zu. Ebenso war das Ausfedern in den Knien auf der Puckelpiste
nicht möglich. Auch ein uns empfohlener Keil unter der Ferse
führte nicht zu dem gewünschten Erfolg. Wir sägten
kurzerhand einen Prothesenfuß vorn ab. Diese verkürzte
Version erfüllt die gewünschten Anforderungen. Die nötige
Stabilität nach vorn übernimmt das Gelenk des Skischuhs.